Februar 2006, Studie Hannover (bil). Mehr als jedes dritte Kind in der Region Hannover braucht bei der Einschulung eine Therapie oder zumindest spezielle Förderung durch die Eltern. "Die Zahl von 38 Prozent ist erschreckend", sagt Alisa Bach, Leiterin des Fachbereichs Jugend der Regionsverwaltung. Bei den Schuleingangsuntersuchungen für die jetzigen Erstklässler hatten die Ärztinnen des Teams Sozialpädiatrie und Jugendmedizin 10 550 Kinder untersucht. Bei 29 Prozent von ihnen entdeckten die Ärztinnen Defizite beim Sehen, Hören, in Wahrnehmung, Sprache, Motorik oder Verhalten. Weitere neun Prozent befanden sich bereits in Therapie. Ohne Förderung sei der Schulerfolg bei diesen Kindern gefährdet, betont Bach. Die Ursachen für diese Entwicklungsstörungen sieht die Expertin vor allem bei den Eltern. "Sie spielen mit ihren kleinen Kindern nicht, sondern setzen sie vor den Fernseher und geben ihnen elektronisches Spielzeug, das keine Kreativität freisetzt." Viele Kinder bewegten sich zu wenig und entwickelten sich dadurch schlecht. Zum Teil sind die Probleme klar durch Krankheiten wie etwa eine Mittelohrentzündung verursacht, die eine Hörstörung auslöst. "Aber auch diese Kinder leiden darunter, dass in den Familien weniger gesprochen wird. Früher konnten sie nach der Krankheit eher wieder aufholen", erklärt Angelika Schammert-Prenzler vom Team Sozialpädiatrie und Jugendmedizin. Besonders die Störungen bei der Sprachentwicklung sind alarmierend: 26 Prozent der angehenden Erstklässler hatten Probleme mit Wortschatz, Satzbildung oder Aussprache. Weitere elf Prozent waren bereits in Behandlung. In Ronnenberg lag die Quote der Störungen sogar bei 45 Prozent. Einige Kinder konnten nicht beurteilt werden, weil sie gar kein Deutsch sprachen. 647 Kinder (6,2 Prozent) wiesen ganz geringe oder gar keine Deutschkenntnisse auf, obwohl auch sie meist im Kindergarten waren.