Projekt Beschreibung

Delia

Auf dem Weg nach Mexiko – ein halbes Jahr für die Firma in Juarez arbeiten. So weit weg von zu Hause war ich noch nie und ich habe keine Ahnung, was da auf mich zukommt.

Der Flieger landet in Chicago. Es ist Januar, eiskalt, und ich muss ewig lange mit zwei schweren Koffern, Rucksack und Laptop durch die Gänge des Flughafens laufen. Ich bin durchgeschwitzt, die Haare nass, und so steige ich in den Flieger nach El Paso direkt an der Grenze. Auch im Flieger werde ich überhaupt nicht warm. Nach der Ankunft suche ich ein Taxi und nach weiteren zwei Stunden bin ich endlich im Hotel.

Am nächsten Tag in der Firma ist alles neu, aufregend, spannend und ich verdränge die Anzeichen einer beginnenden Erkältung.

Doch: Es ist nicht nur eine Erkältung. Mir ist kalt, mein Kopf dröhnt und es geht mir total schlecht. Und ich fühle mich in der fremden Umgebung so vollkommen allein. Ich habe auch keine Medikamente dabei und kenne mich in der Stadt noch kein bisschen aus.

Sylvia, eine der Kolleginnen, kommt auf mich zu und nimmt mich in den Arm. Come on, wir gehen mal zu Delia. Wer ist Delia?

Delia ist eine ältere Dame, spricht kein Wort Deutsch oder Englisch. Sylvia erzählt ihr in spanischer Sprache wohl eine ganze Menge zu mir. Und dann nimmt mich Delia in den Arm, klopft mir beruhigend auf die Schulter und fühlt mit der Hand an der Stirn meine Temperatur. Dann nimmt sie ein paar Tabletten, packt sie in ein Tütchen und sagt: „Only 1 per day!“ Abermals klopft sie mir wieder aufmunternd auf die Schulter und wir gehen zurück in unsere Abteilung. Delia ist die Sanitätsschwester im Werk.

Am nächsten Tag geht es mir schon deutlich besser. Delia kommt vorbei und kontrolliert und ist auch erleichtert über die Entwicklung.

Bis heute weiß ich nicht, was für Medikamente ich da genommen habe. Doch diese so selbstverständliche, liebevolle Hilfe und Unterstützung haben mir in dieser Krise so gut getan!