Projekt Beschreibung

Gibt es Engel?

Einmal nach Feierabend fuhr ich mit dem Fahrrad nach Hause, wie immer am Leineabstiegskanal entlang nach Limmer. Für den schmalen und kurvigen Weg benötige ich normalerweise eine halbe Stunde.

Die Sonne stand bereits sehr tief und schien mir so ins Gesicht, dass ich geblendet wurde.

Als ich um eine Kurve herumfuhr, tauchte plötzlich wie aus dem Nichts ein entgegenkommender Radfahrer auf. An dieser Stelle war mir vorher doch noch nie jemand begegnet! Da ich ihn weder gehört noch gesehen hatte, rasten wir nur wenig gebremst ineinander. Wir knallten mit den Köpfen zusammen, sodass nicht nur Metall auf Metall krachte…

Zum Glück konnten wir uns beide wieder aufrichten, die Fahrräder allerdings nur noch schieben.

Mir schossen Gedanken durch den Kopf.

Krankenwagen? – Kannst du vergessen, der kommt hier gar nicht hin!

Polizei? Versicherung? – Vielleicht geht es auch ohne? Es wollte ja keiner von uns dem anderen schaden!

Mein Gegenüber schien ähnlich zu denken. Wir versicherten uns gegenseitig, dass der andere soweit o.k. sei. Dann schob ich das Fahrrad weiter.

Für die restliche Strecke nach Hause, die ich normalerweise in fünf Minuten schaffe, brauchte ich jetzt mehr als eine halbe Stunde.

Dort angekommen, überlegte ich, was ich nun tun sollte.

Da begegnete mir die Tochter unserer Nachbarn, die zufällig vor dem Haus war, und fragte mich sofort, ob sie mich ins Krankenhaus fahren solle. Ich muss wohl einen ziemlich lädierten Eindruck gemacht haben und ich blutete aus einer Platzwunde am Kopf. Da meine Frau nicht zu Hause war, nahm ich das Angebot gerne an, sagte aber noch mit Nachdruck: „Ich bringe das Fahrrad in die Garage und schließe es ab.“

Sie nickte zweifelnd und fuhr mich direkt danach ins Krankenhaus.

Nach den Formalitäten – Was ist passiert? Wo? Wann? Und überhaupt! –  wurde ich mit Verdacht auf Schädelbruch geröntgt. Dabei habe ich erfahren, dass die Nase medizinisch auch zum Schädel gehört. Um diese Erkenntnis reicher und zum Glück ohne allzu schlimme Diagnose wurde ich anschließend entlassen.

Zum Abschied sagte der behandelnde Arzt zu mir: „Sie haben aber eine nette Nachbarin. Sie wartet draußen auf Sie.“